» Tornados in Österreich

Einführung

Tornados sind die heftigsten Wirbelwinde auf unserem Planeten.
Werden im Mitteleuropa auch als "Großtrombe" bzw. "Trombe" bezeichnet, oder fälschlicherweise als "Windhose" (Verwechslungsgefahr mit Sandhosen bzw. "Dustdevils"!).

Tornados entstehen zumeist aus Superzellen, dort vorwiegend aus der Wallcloud. Das erste Anzeichen eines Tornados ist die rasche Rotation der Wolkenunterseite, in weiterer Folge "wächst" (in der Realität ist es nach N. Dotzek wahrscheinlich nicht selten umgekehrt - der Wirbel ist am Boden bereits wirksam, wenn noch kein Trichter zu sehen ist und intensiviert sich bei zunehmender Interaktion mit der darüber befindlichen Mesozyklone) zumeist ein Art "Rüssel" aus der Wolke (Funnelcloud). Sobald der daraus resultierende Wirbel die Erdoberfläche erreicht (dabei muss es sich nicht um den auskondensierten Teil handeln und kann zudem - wie erwähnt - bereits vor der Bildung der Trichterwolke geschehen) gilt dies als Tornado (auch wenn es nur Sekunden sind).

Durch den tiefen Druck im Inneren des Tornados (Druckausgleich mit der Luft an der Erdoberfläche) werden Gegenstände hochgehoben und können Gebäude regelrecht "explodieren" (dieses Faktum bewirkt oft zusätzlich zu den enormen Windgeschwindigkeiten Tornado-typische Schäden).

Die Breite des Tornados muss nicht direkt proportional zu der vorhandenen Windgeschwindigkeit bzw. Stärke sein, allerdings sind zumeist die breitesten Tornados (bis zu mehreren Kilometern sind möglich) die zerstörerischten.

Eckdaten

Zuggeschwindigkeit: im Mittel etwa 50km/h - zumeist zwischen 5 und 120km/h
Breite: knapp unter 10 bis über 3000 Meter
Windgeschwindigkeiten: 70km/h (darunter: "subcritical") bis etwa 500km/h
Lebensdauer: Sekunden bis Stunden
Zugweite: Meter bis hunderte Kilometer
Höhe bis zur Wolkenuntergrenze: rund 100 bis 5000 Meter

Aussehen

Die Form des Tornados kann sehr variieren:

> möglich ist ein einzelner, dünner Tornadoschlauch

> ein Tornado, der mehr breit als hoch zu sein scheint (der sog. "Keil")

> mehrere Tornados die umeinander rotieren (der "Mehrfachwirbeltornado")

> Tornados in einer Linie, bzw. mehrere Tornados aus einem Gewitter, die aber nicht unmittelbar nebeneinander, sondern zuweilen in mehreren Kilometern Abstand toben (oft "non-supercell-tornados")

> ein Tornado, der nicht vollständig auskondensiert ist (d.h. ist nicht als Rüssel sichtbar, sondern oft nur als Wirbel am Boden bzw. an der Wolkenunterseite); nach letzten Erkenntnissen sehen besonders schwache Tornados häufig so aus, weshalb ein eventueller Bodenkontakt oft nur schwer zu erkennen ist.

Non-
supercell
Tornados

Tornados bzw. Funnelclouds, die nicht aus Superzellen entstehen, kann man in vier Gruppen einteilen:

> "Böenfront- oder Arcus- Tornados"; entstehen aus kräftigen Arcus-Wolken oftmals durch eine lokale Updraft- Verwirbelung bei Eintreffen des Abwindes; könnten sich etwa auch aus Gustnados oder Dustdevils entwickeln

> sog. "landspouts"; das sind die klassischen, sogenannten "non-supercell"- Tornados, die aus keinen hochreichenden und beständigen Mesozyklonen entstehen, sondern aus lokalen, vertikalen Vortices unter der Wolkenbasis, die nicht die Kriterien für eine Mesozyklone erreichen (weil sehr kleinräumig & geringe Ausdehnung - auch "Misozyklone" genannt). Wenn sich die Rotation aber nur bis zur Wolke erstreckt, handelt es sich lediglich um einen Gustnado! Auch die meisten Wasserhosen ("waterspouts") dürften sich auf diese Art bilden

> die "Verwirbelungs- Tornados"; diese nicht selten kurzlebigen Großtromben, werden durch lokale Verwirbelungen induziert (etwa an Berghängen); in seltenen Fällen könnte es durch diese lokalen, aber recht weiträumigen Scherbedingungen auch zur Ausbildung einer Mesozyklone bzw. Superzelle kommen

> der "cold-air-funnel"; bezeichnet Funnelclouds die aus konvektiven Wolken, aber zumeist keinen oder nur schwachen Gewittern herauswachsen (zuweilen auch "horse-shoe", aufgrund seiner Form genannt) und zwar über bzw. in einem bodennahen Kaltluftpool ohne aktive Hebung (dabei dürften lokale, verwirbelte Absinkprozesse eine Rolle spielen, aufgrund der geringen Intensität (keine Tornadofälle bekannt) sind diese Erscheinungen für die Tornadoforschung aber kaum von Interesse)

Tornados in
Österreich

> derzeit gehen wir von einer jährlichen Anzahl an Tornados in Österreich von etwa 10 aus
> dabei sind die meisten nur schwach (also F0 oder F1)
> alle ein bis zwei Jahre gibt es aber auch Fälle von F2 Tornados
> alle fünf bis zehn Jahre tritt ein F3 auf
> der heftigste Tornado bisher ereignete sich im Juli 1916 in Wr. Neustadt - traurige Bilanz: 32 Tote, hunderte Verletzte
> mit Abstand am meisten Tornados treten in der SO-Stmk auf, gefolgt vom westlichen Oberösterreich, dem Wiener Becken, westlichen Weinviertel bis zum Tullner Feld, Inntal, Südkärnten und der Bodenseeregion

Downbursts

Bezeichnen heftige Fallböen im Zuge von Gewittern. Man unterscheidet Micro- und Macrobursts:

Microburst: Wirkungsbereich <4km, oft unberechenbar und sehr kurzlebig; entsteht als "Blase" in mittlerer Höhe, wird durch kalten, trockenen Zustrom gekühlt und zum Erdboden hin beschleunigt - prallt am Boden auf und breitet sich zumeist fächerförmig aus; lokale Verwirbelungen sind aber möglich => Gefahr der Verwechslung mit Tornadoschäden
Macroburst: Wirkungsbereich >4km, gelegentlich über längere Strecken wirksam, wenn >400km und dabei immer wieder Spitzenböen über 90km/h => "Derecho"

Downbursts können bei allen Arten von konvektiven Ereignissen auftreten, besonders heftig sind sie oft bei Squallines (Gewitterlinien), Bow Echos (bogenförmig "ausgeblasenen" Gewittern) und Superzellen (v.a. hier sind Downbursts mit Spitzen bis 250km/h möglich!
 
Wissenswertes über Tornados in den Tornado-Statistiken, sowie auf der TorDACH Site für Österreich von Alois Holzer: www.tordach.org!

» Gefährdungsgebiete




 

Region um Wiener Neustadt - Innerhalb des Dreiecks Neunkirchen, Sollenau und dem Südspitzel des Leithagebirges; vermutete Dunkelziffer bei etwa 25% (d.h. etwa 2 nicht bekannte Tornadoereignisse in den letzten 100 Jahren); Tornadowahrscheinlichkeit bei 20% pro Jahr

Gebiet Tullner Feld und westl. Weinviertel - Region etwa begrenzt durch: Krems - Herzogenburg - Neulengbach - Stockerau - Ernstbrunn - Laa - Retz - Eggenburg - Krems, also sehr großes Gebiet; Dunkelziffer wahrscheinlich über 50% (d.h. mind. 6 unbekannte Ereignisse); Tornadowahrscheinlichkeit über 35% pro Jahr

Linz und Umgebung - Gebiet geht von Aschach über Linz/Traun, Enns/Steyr (d.h. Enns-Unterlauf), bis über die Grenze nach NÖ, die Donau entlang bis vor Grein; geschätzte Dunkelziffer der Tornadoereignisse beträgt unter 25% (d.h. 2-3 unbeschriebene Fälle); Tornadowahrscheinlichkeit bei 30% pro Jahr

Hausruck - Region südlich, westlich und nördlich des Hausruck, also Ortschaften wie Straßwalchen, Vöcklabruck, Bad Schallerbach, Ried i. Innkreis, Andorf, Braunau und Mattighofen; Dunkelziffer wird bei ca. 40% liegen (d.h. 5-7 nicht registrierte Tornados); Tornadowahrscheinlichkeit liegt bei annähernd 40% pro Jahr

STMK

Grazer Feld und südl. Murtal - Hauptort ist Graz. Von hier reicht das Gebiet nach Süden, die Mur entlang bis Spielfeld und dann nach Osten bis Bad Radkersburg; aufgrund der Bevölkerungsdichte wird die Dunkelziffer an Tornados unter 25% liegen (d.h. 4-5 unbekannte Fälle); Tornadowahrscheinlichkeit pro Jahr bei etwa 50%

STMK/B

Region Güssing - erstreckt sich das Lafnitztal abwärts nach Großwilfersdorf in der Steiermark, dann nach Südosten - das gesamte Südburgenland bis ungefähr Großpetersdorf; Dunkelziffer womöglich über 40% (d.h. 4-5 nicht bekannte Tornadoereignisse); Tornadowahrscheinlichkeit um 25% pro Jahr


Alle Angaben sind statistischer Natur.
Es wird keine Garantie gegeben, dass sich Tornados nur auf die besagten Gebiete beschränken; Tornados sind in ganz Österreich möglich! (wenn auch in vielen Regionen - z.B. Hochgebirge - sehr unwahrscheinlich). Aus manchen Gebieten (etwa Waldviertel) sind auch nur keine, oder wenige Sichtungen bekannt, dort beschränken sich die Auswirkungen von Tornados oft auf Waldschäden. Diese allerdings sind von "normalen" Sturmschäden schwer zu unterscheiden, außerdem werden derartige Meldungen meistens nicht weitergegeben. Somit sind viele Gebiete noch sehr ungenügend auf die Häufigkeit von Tornados untersucht.

Die Rohdaten stammen aus dem TorDACH Archiv von Alois Holzer (http://www.tornados.at). Sie sind nicht zur Weitergabe bestimmt! Der KAT-Plan wurde von Mortimer M. Müller erstellt. Es wird keinerlei Haftung bezüglich der Korrektheit dieser Angaben übernommen.


» Unwetterstatistik-Kat-Plan



Kategorie 1 (KAT1)

Sind Ortschaften, die aufgrund ihrer geographischen Position und nach den vorliegenden torDACH Daten, mit einer Wahrscheinlichkeit von 35 - 50% innerhalb der nächsten fünf Jahre mit dem Auftreten eines Tornados rechnen müssen.


Kategorie 2 (KAT2)

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 30 - 40%, dass ein Tornado innerhalb der nächsten zehn Jahre über die besagte Stadt, bzw. Ortschaft zieht.


Kategorie 3 (KAT3)

Bei Ortschaften der Kategorie 3 wird mit 25 - 30% Wahrscheinlichkeit ein Tornado innerhalb der nächsten 15 Jahre auftreten.




KAT 1


Wien (50%)
Wiener Neustadt (35%)
Krems/D. (35%)
Linz (35%)


STMK
Graz (50%)



KAT 2


Tulln
Hollabrunn

Mattighofen
Traun
Vöcklabruck
Frankenmarkt
Ried i. Innkreis
Enns
STMK
Leibnitz
Rohrbacht
Wundschuh
Fernitz
Lebring
Bad Loipersdorf
BGLD
Mattersburg
Güssing

SBG
Strasswalchen



KAT 3


Mistelbach
Haugsdorf
Eggenburg
Sollenau
Stockerau
St. Pölten
Bruck/Leitha
Retz
Neunkirchen
St. Peter
Haag
Ottensheim
Schärding
Bad Schallerbach
Alkoven
Raab
Steyr
Wels
STMK
Voitsberg
Spielfeld
Bad Radkersburg
Blumau
St. Georgen
Feldbach
Mooskirchen
Großwilfersdorf
Unterrohr
BGLD
Stegersbach
St. Martin
Wulkaproderdorf
SBG
Salzburg
Obersdorf

T
Innsbruck



Hinweis: Diese Daten sind Statistiken. In dieser Liste werden nur die flächen- und einwohnergrößten Ortschaften angeführt. Aber auch Nachbarorte können betroffen sein!

Die Rohdaten stammen aus dem TorDACH Archiv von Alois Holzer (http://www.tornados.at). Sie sind nicht zur Weitergabe bestimmt! Der KAT-Plan wurde von Mortimer M. Müller erstellt. Es wird keinerlei Haftung bezüglich der Korrektheit dieser Angaben übernommen.